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Playing with Innocence

Bild von h.koppdelaney
Return to Innocence
It is possible!
HKD
Ansichtssache
Thema Nr. 6
Was sind meine Ansichten über Unschuld und Pazifismus?
Richte ich meine Weltsicht an meinem pragmatischen Blick auf das Leben aus, erscheint der Einsatz von Gewalt gegen Gewalt notwendig. Richte ich meine Weltsicht an meinem mystischen Blick auf die Welt aus, erscheint mir der Einsatz von Gewalt gegen Gewalt naiv und kontraproduktiv. Ich möchte das näher erklären:
Kinder werden in ihrem Umfeld mit ihren und fremden Emotionen konfrontiert. Dazu gehören auch die negativen, wie Eifersucht, Jähzorn und überwältigende Gier. Aus diesen emotionalen Antrieben heraus kommt es zu übergriffigen und sogar zu gewalttätigen Aktionen.
Ausbrüche von Gewalt von der eigenen oder anderen Seite können sehr zerstörerisch sein, daher vermeidet man entweder Handlungen, die den Zorn anderer auslösen, oder man wendet selbst Zornenergie an, um sich „Respekt“ zu verschaffen und anderen ein gewünschtes Verhalten aufzuzwingen.
Im Alltag werden Menschen durch andere Menschen erniedrigt oder in Knechtschaft oder abhängige Arbeitsverhältnisse gezwungen. Herrschaften bilden eine Struktur und innerhalb dieser Struktur muss man sich anpassen.
Schutz suchende Menschen unterstellen sich auf natürliche Weise einem Sicherheit gewährenden Herrscher. Als Gegenleistung wird Respekt gezollt und dazu gehören Steuern und sonstige energetische Abgaben. Devotes Verhalten erzeugt Duldung und Wohlwollen von Seiten der Machthaber.
Es erscheint im pragmatischen Alltagsleben daher viel vorteilhafter zu sein, die Rolle eines Siegers anzustreben. Gewinner erhalten die Beute, haben – gleich einem Leithengst oder Rudelführer – das Recht auf Fortpflanzung. Das lässt die Brust anschwellen!
Aus mystischer Sicht allerdings bleibt ein von Feindbildern beherrschtes Bewusstsein auf einer Ebene, die keinen Frieden und kein klares Bewusstsein zulässt. In einer Welt des Wettbewerbs lauern Feinde überall.
Misstrauen und eine abwehrende Haltung herrschen vor. Öffnung, Herzlichkeit, Hingabe sind hier bedeutungslose Worthülsen.
Unschuldige Kinder aber leben noch in authentischen Gefühlen: Herzlichkeit, emotionale Offenheit und Hingabe an den Augenblick.
In der Kindheit und Jugend werden diese Eigenschaften in einer auf (kämpferischen und räuberischen) Wettbewerb eingestellten Umgebung allerdings zerstört. Durch die Konfrontation mit kämpferischer und räuberischer Gewalttätigkeit gehen sensible Kinder in eine defensive Anpassung. Das ist die Tragik des Kindesalters.
Die Zerstörung der Unschuld durch eine aggressive Umwelt hat dennoch einen tieferen Sinn: Bewusstheit muss entstehen, denn die kindliche Unschuld ist naiv oder und sich ihrer selbst unbewusst.
Naivität, in der Gralslegende als Torheit des kindlichen Parsifal bezeichnet, muss sich in Bewusstheit und in Bewusstsein transformieren, sonst geht das Leben wieder einmal in Unbewusstheit weiter bis an sein (unbewusst erlebtes) Ende.
Doch wie kann man angesichts der leicht erkennbaren Wettbewerbsbedingungen auf den Einsatz von Macht verzichten? Das gleicht einem Selbstmord. Unschuldige und naive Wesen, ob weiße Tauben oder herzliche Kinder werden auf der Ebene des kämpferischen Wettbewerbs von beute- oder gewinnsüchtigen Jägern zur Strecke gebracht. Im übertragenen Sinn heißt das: Als junger Erwachsener fährt man plötzlich ein Auto, das man nicht haben wollte oder zahlt eine Versicherung, die man nicht brauchte.
Die innere Entwicklung zu einem Bewusstseinszustand von Zufriedenheit und Freiheit erfordert für eine gewisse Zeitspanne einen vor Angriffen geschützten Rahmen. Ich zog mich in ein inneres Kloster zurück und meine Außenkontakte beschränkten sich auf ein Minimum.
Während meiner psychischen Entwicklung bedurfte ich einer sicheren Umgebung und diese erhielt ich indem ich mich der Struktur und Hierarchie meiner Familie unterstellte.
In diesem Käfig hatte ich Schutz, doch auch wenn die Ketten goldene waren brach die Sehnsucht nach Freiheit immer wieder hervor.
Von einer bestimmten Entwicklung des Bewusstseins an erscheint mir Gewaltverzicht und das darauf hin erfolgende Leiden an der Übermacht anderer als notwendig, um den Kreislauf von Macht und Rache und den damit verbundenen „Irrtum“ (von Getrenntheit) zu unterbrechen.
Es ist eine schwere Bürde, der Sündenbock oder das schwarze Schaf zu sein. Doch das Opfer führt über das Leid als Katalysator zur Entwicklung des mystischen Bewusstseins. Dieses kommt dem inneren Frieden, der Liebe und der Klarheit des Geistes gleich.
Der mir als paradiesisch erscheinende Zustand des „kindlichen“ Bewusstseins wird über den reaktivierten eigenen, inneren Beschützer gestützt.
Im Verlauf des Prozesses der Selbsterkenntnis nahm ich zu meinem aggressiven Potenzial eine modifizierte Haltung ein. Durch meine wieder gewonnene Fähigkeit der Abgrenzung kann ich gegenüber Angreifern „Nein“ sagen.
Der mit Verneinungen einhergehende Verlust geistiger Klarheit ist stets temporär. Ich fahre nur selten derart heftig aus meiner Haut, dass ich in diesem Augenblick nicht mehr weiß, wer ich bin.
Ich habe meine Unschuld und meine Naivität verloren, doch den Zustand der kindlichen Offenheit und Hingabe wieder gewonnen.
Unschuld und Gewaltverzicht gehörten zu einer unverzichtbaren Phase in meinem Leben, doch die Entwicklung führte zu einer ganzheitlichen Akzeptanz aller Emotionen, auch zu jenen, die ein „Nein“ hervorbringen.
HKD
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